»Sie fressen ihm aus der Hand…«


Bruch. Oliver Zwang greift Futterpellets aus dem Eimer, hält seine Hand ins Wasser. Ein 95 Zentimeter großer brauner Koi-Karpfen kommt angeschwommen und schnappt sich das Leckerli aus der Hand des Zierfischhändlers. „Die große Madame ist sechs Jahre alt. Koi sind sehr zutraulich. Die wissen genau: Wenn ich zum Futtereimer gehe, gibt es was zu fressen.“

Seit mehr als 20 Jahren faszinieren Oliver Zwang aus Bruch in der Eifel japanische Koi-Karpfen . „Ich bin begeistert von den verschiedenen Farben und Mustern der Fische.“ Bis vor einigen Jahren leitete der 45-Jährige noch eine Estrichfirma in Trier – die Edelfische waren nur sein Hobby. „Bei den Koi findet man Ruhe. Wenn man sich ans Becken setzt, kann man beobachten, wie die Tiere langsam durchs Wasser schweben.“ Dabei könne er die Seele baumeln lassen, sagt Zwang. Doch die Kenntnisse des Koi-Liebhabers sind gefragt. „Es kamen immer mehr Leute, die fragten: ‚Kannst du mal eine Teichanlage für mich bauen? Wo bekomme ich diese Fische? ‘“

Der Koi ist eine Zuchtform des Karpfens, die besonders in Asien eine lange Tradition hat. Die Tiere können bis zu 1,2 Meter lang, 50 Kilo schwer sowie durchschnittlich zwischen 40 und 80 Jahre alt werden. In manch einem japanischen Naturteich seien aber auch noch ältere Exemplare zu finden, sagt der Koi-Händler Oliver Zwang. Ein besonderes Merkmal des Koi sind die Farbmutationen.
Experten unterscheiden 16 Hauptvarianten mit 100 Unterformen, die sich durch Farben sowie deren Intensität und Musterung unterscheiden. Die gängigen Zuchtfarben sind Rot, Gelb, Weiß, Schwarz und Braun.

 

Seinen ersten Koi-Teich in Bruch hat er vor 25 Jahren gebaut. 2006 meldet Zwang einen Koi-Handel im Nebenerwerb an. 2012 macht er sich mit „Koi-Aquario“ und zwei Mitarbeitern selbstständig. Mittlerweile schwimmen in seinen acht Teichen und Becken 350 Fische mit einem Gesamtwert von 150 000 Euro. Im Jahr verkauft Zwang bis zu 500 Edelfische. „Die Hälfte meiner Kunden kommt aus Belgien, Luxemburg, Italien und der Schweiz“, sagt Zwang. Zwei Mal im Jahr fliegt der Eifler Koi-Händler von Frankfurt nach Japan, um die Tiere bei renommierten Züchtern einzukaufen. „Mit meinem Agenten bin ich dort eine Woche bei den unterschiedlichen Züchtern unterwegs. Da werden hauptsächlich Kundenwünsche organisiert.“ Wenn zum Beispiel ein „Showa“, ein dreifarbiger Fisch mit bestimmter Musterung, gefragt ist, treibt Zwang dieses Exemplar für seine Kunden auf. „Ich fotografiere den Koi und schicke dem Kunden per E-Mail die Bilder. Er hat 48 Stunden Zeit, sich zu entscheiden.“ Zudem besorgt sich der Händler dort ausgefallene Fische, die er in seinen Schaubecken in Bruch präsentiert.

Die Fische im Wert zwischen 25.000 und 70.000 Euro reisen in wassergefüllten Transportboxen im Flugzeug. Bei einem Fisch von 90 Zentimetern Größe, der vielleicht 10.000 Euro kostet, kommen bis zu 800 Euro Zoll- und Transportgebühren dazu.

 

Teichbau-Zwang

 

„Aber vom Koi-Handel allein kann man nicht leben“, sagt Zwang. Deshalb baut der Eifeler mit seinen beiden Mitarbeitern auch noch Koi-Teiche und Becken mit Sichtfenstern. Zudem verkauft er Futter und Zubehör. Seine Ausstellungshalle in Bruch ziert ein 2,7 Meter tiefes Betonbecken mit einer Glasscheibe, durch die man die Tiere beobachten kann. „Von Zeit zu Zeit besuchen mich Kunden, die hier ein kleines Vermögen ausgeben.“

Für die Architektur seiner Anlage mit Teich und Schaubecken und viel Liebe zu japanischen Details hat Zwang mehrere Auszeichnungen erhalten. 2014 hat er den Oase-Water-Creation-Award gewonnen. Die Jury kürte den Eifeler für die kunstvolle Gestaltung seiner Wasserwelt, in die er 250.000 Euro investiert hat, zum Gesamtsieger.

Kontakt / Text / Fotos: Koi Aquario Oliver Zwang, Bruch